28.03.2011

Liebe auf den ersten Blick

Schon als 12-Jährige hat Laura Rinkel ihren Traumberuf bei Kratzer gefunden

 Vom Girls‘ Day über ein Praktikum zur Ausbildung in einem Berufsfeld, das Mädchen nur selten in Betracht ziehen: Was wie die Wunschvorstellung der Organisatoren des Mädchen-Zukunftstags klingt, lebt die 16-jährige Laura Rinkel als Zerspanungsmechanikerin bei der Firma Kratzer.

Ein blonder Pferdeschwanz, etwas Wimperntusche und ein strahlendes Lächeln: Laura Rinkel sticht heraus aus der Gruppe der Lehrlinge der Firma Kratzer. Sie ist das einzige Mädchen unter den Auszubildenden zum Zerspanungsmechaniker im ersten Lehrjahr. „Für mich stand schon nach dem Girls‘ Day fest, dass ich hier meinen Traumberuf gefunden habe“, erinnert sie sich an den Mädchen-Zukunftstag vor vier Jahren.

Handwerklich begabt sei sie schon immer gewesen, mit dem Beruf des Zerspanungsmechanikers war die damals 12-Jährige an diesem Tag zum ersten Mal in Berührung gekommen. „Das kleine Mühle-Spiel, das wir damals selbst hergestellt haben, habe ich heute noch.“ Bereits am Ende des Girls‘ Days kündigte Laura dem Ausbildungsleiter Franz Fehrenbach von Kratzer an, dass sie zu einem Praktikum in das Unternehmen zurückkehren würde. „Und das tat sie dann auch wirklich“, sagt Fehrenbach. Im Februar 2009 sah sich das Mädchen eine ganze Woche lang bei Kratzer um und aus der Liebe auf den ersten Blick wurde der Beschluss, nach der Schule eine Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin zu machen. „Und zwar bei Kratzer“, fügt Rinkel mit Nachdruck hinzu.

Zwei Ausbildungszusagen hatte sie nach ihrem Realschulabschluss schon auf dem Tisch liegen, eine Rückmeldung von Kratzer ließ jedoch auf sich warten. So griff sie zum Telefonhörer und hakte bei Kratzer nach. „Das Unternehmen war eben meine favorisierte Firma“, sagt Laura Rinkel beinahe entschuldigend über ihr selbstbewusstes Verhalten. Doch bei Kratzer gefiel die Entschlossenheit des jungen Mädchens und sie erhielt eine Zusage.

Bereut haben diese Entscheidung weder Laura noch Franz Fehrenbach. „Ob Mädchen oder Junge: Als Zerspanungsmechaniker benötigt man deutlich mehr Köpfchen als Muskelkraft“, sagt der Ausbildungsleiter. „Unsere Azubis im ersten Lehrjahr sind eine geschlossene Gruppe. Laura behandele ich da nicht anders als ihre männlichen Kollegen.“ Laura Rinkel selbst fühlt sich gut aufgenommen. Schon jetzt steht für sie fest: „Nach der Ausbildung ist für mich noch nicht Schluss“. Und auch ihr Ausbildungsleiter Franz Fehrenbach träumt schon von der ersten Meisterin bei Kratzer.

(Offenburger Tageblatt 29.03.2011)